Workshop "Erhaltungskulturen gefährdeter Pflanzen in Deutschland"

Dieser Workshop wurde von der AG Erhaltungskulturen des Netzwerks für Botanischen Naturschutz und von den Botanischen Gärten der Universität Bonn organisiert. Er diente dem Austausch zwischen Vertretern von Botanischen Gärten und Naturschutzbehörden über theoretische und praktische Grundlagen für ex-situ-Erhaltungskulturen in Deutschland. Durch die zahlreichen Praxisbeispiele aus verschiedenen Bundesländern und aus Großbritannien konnten vor allem wertvolle Erfahrungen mit Erhaltungskulturen und mit der Wiederausbringung der Pflanzen ausgetauscht werden.

Im Folgenden finden Sie kurze Informationen zu den Beiträgen.
Das Programm, eine Teilnehmerliste und die Vorträge des Workshops
stehen am Ende dieser Seite als PDF-Dokumente zum Download bereit!


ANSÄTZE, STATUS, AKTIVITÄTEN UND MODELLHAFTE BEISPIELE

Einführung
Dr. Wolfram Lobin, Kustos der Botanischen Gärten Bonn, begrüßt die zahlreichen Teilnehmer des "Netzwerks Botanischer Naturschutz", insbesondere die gärtnerischen Fachkollegen und Dr. David Rae, Royal Botanical Gardens Edinburgh.

01. Stand der bisherigen Aktivitäten in Deutschland und nächste Schritte
Dr. Michael Burkhardt, Botanischer Garten der Univeristät Potsdam, zeigt u.a. in seinem Überblick, welche Pflanzen sich schon heute in dem Erhaltungskulturen in Deutschland befinden. (Weitere Meldungen sind dem Netzwerk Botanischer Naturschutz hochwillkommen!) Herausgehoben wird, dass in Deutschland eine besondere Verantwortlichkeit für einige weltweit gefährdete Taxa besteht. Als vordringliche Aufgabe stellt sich, diese zu Identifizieren und sich auf guten fachlichen Standard für Erhaltungskulturen Ex-Situ festzulegen.    

02. Ex-Situ Erhaltungskulturen in Großbritannien - Aktueller Stand
Dr. David Rae, Royal Botanical Gardens Edinburg (Scotland, UK) informiert in seinem in englischer Sprache gehaltenen Vortrag über die Bemühungen der Britischen Fachkollegen, die weltweit als vorbildlich in der Ex-Situ-Erhaltung  gelten. Der Vortrag zeigt Ähnlichkeiten und Unterschiede mit deutschen Bemühungen. Die direkte Verknüpfung mit taxonomischer Wissenschaft in Edinburgh ist ein deutlicher Standortvorteil der dortigen Gärten. Die politisch-gesellschaftliche Verankerung der GSPC in Großbritannien stellt sich als weit fortgeschitten dar. Die praktische Umsetzung ist im vollem Gange, in einer Pilotphase übernehmen zehn Gärten eine Führungsrolle und die Verantwortung für besonders gefährdete Arten.    

03. Erhaltungskulturen und Artenschutzmaßnahmen im Regierungsbezirk Karlsruhe
Annemarie Radkowitsch, forumNatur Pforzheim / Päd. Hochschule Karlsruhe, berichtet über Ex-Situ-Erhaltung und Wiederausbringungprojekte im Baden-Württembergischen Regierungsbezirk Karlsruhe. Einzelne Fallbeispiele wie die erfolgreiche Stützung und revitalisierung einer erloschenen Wildpopulation des echtem Sellerie (Apium graveolens) beleuchten Erfolge und Schwierigkeiten von Wiederansiedlungen. Am Beispiel der echten Rebe Vitis vinifera ssp. sylvestris wird deutlich, wie  fruchtbar die direkte Verknüpfung mit der Forschung an Botanischen Gärten (in diesem Fall BG Karlsruhe) ist.    

04. Kooperation im botanischen Artenschuz: Das Galionsartenprojekt in Bayern
Dr. Andreas Zehm, Bayrisches Landesamt für Umwelt, stellt das Galiosartenprojekt als Flaggschiff des Botanischen Naturschutz in Bayern vor. Er setzt  Ex-Situ-Maßnahmen in den Kontext erfolgreicher Schutzprojekte am Wildstandort.  Fallbeispiele mit unterschiedlichen Gefährdungsursachen und Problemen wie Treibholzanlandung am bayrischen Wuchsort des Bodensee-Vergissmeinichts Myosotis rehsteineri werden behandelt. Betont wird das  Engagement von einzelnen Akteuren wie Einzelpersonen oder der Stadtgärtnerei Straubing, die eine erfolreiche Stützung der Population mit Jungpflanzen aus heimischen, autochthonem Standortmaterial ermöglichen.

05. Das regionale Netzwerk zur Erhaltung vom Aussterben bedrohter Wildpflanzen in Brandenburg und Berlin
Andreas Herrmann, Landesumweltamt Brandenburg, erläutert in seinem Vortrag zum regionalen Florenschutznetzwerk Brandenburgs und Berlins die besondere Stellung regionaler und lokaler Ansätze. Die zur Umsetzung größerer Strategien notwendige Vernetzung der Ebenen wird besondershervorgehoben. Bei der Priorisierung von Zielsippen wird am beispiel der niedrigen Schwarzwurzel ( Scorzonera humilis) herausgestellt, dass weiter verbreitete Arten durchaus durch besondere Schwächen im Zentrum des Verbreitungsgebietes eben dort schützenswert sein können. Für Einzelfälle sind praxisbezogene Sofortmaßnahmen, eventuell auch Umsiedlungen letzter Exemplare wichtig; dies auch jenseits der    Mit Hinblick auf den Prozessschutz wird auf das Konfliktpotenzial mit den GSPC-Zielen hingewiesen.

Filmbeitrag: Beispielprojekt mit dem LandFrauenVerband Schleswig-Holstein
Das Copyright  liegt beim NDR. Wir werden angefragen, ob ein Mitschnitt auf dieser Webseite online zur Verfügung gestellt werden kann. Bis eine Antwort eintrifft, haben wir die NDR-Internetseite zu diesem Thema hier verlinkt.
Der Filmbeitrag zeigt Medienresonanz zu einem Ex-Situ-Projekt gefährdeter Wildpflanzen am Beispiel von Arnica montana in Aukrug, SH. Das Landesamt für Naturschutz (LANU) Schleswig-Holstein führt das Projekt mit gemeinsam mit dem LandFrauenVerband durch. Einzelne geeignete Zielarten werden schon vor der kritischen Gefährdung durch das LANU für Ex-Situ-Projekte ausgewählt. "Pflanzensteckbriefe" werden erstellt, Samen für die Aussaat beschafft und fachliche Beratung hinsichtlich der Artenauswahl im Zusammenhang mit den potenziellen Ansiedlungsflächen gegeben.Die lokalen LandFrauenVereine übernehmen die Betreuung vor Ort: Aussaat in ihren Gärten, vorschlagen Wiederansiedlungsflächen (in Kenntnis der örtlichen Strukturen) und Pflege der Flächen. Der LandFrauenVerband Schleswig-Holstein e.V. leitet und koordiniert das Projekt und führt eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit durch.


THEORETISCHE GRUNDLAGEN UND EINBINDUNG IN DIE AKTUELLE DISKUSSION UM VERANTWORTLICHKEITEN FÜR BESTIMMTE ARTEN

06. Bericht über die Diskussionen aus dem GSPC‐Workshop
Marliese von den Driesch und Dr. Cornelia Löhne, Botanische Gärten Bonn, berichten von den Fortschritten des vorangegangenen Workshops zur Globalen Strategie zur Erhaltung der Pflanzen. Intensiv bearbeitet wurden die Voraussetungen zum Erfüllen von Ziel 8 der GSPC: 60 % der gefährdeten Pflanzen in Ex-Situ-Sammlungen aufzunehmen und davon 10 % in Wiederansiedlungsprogramme zu bringen. Koordinierungsmaßnahmen zum Erreichen des Zieles werden verstärkt (Weitere Informationen auch im Bericht zur Bericht zum GSPC-Workshop auf dieser Webseite).

Bewertung der Schutzrelevanz seltener und gefährdeter Arten: Kriterien und deren Gewichtung
Dr. Eric Welk, Institut für Biologie/Geobotanik der Universität Halle, stellt seine Arbeiten zur Abschätzung der Verantwortlichkeit Deutschlands für seltene und gefährdete Pflanzen vor.

Plenumsdiskussion
Im Programm weden zwei Fragen aufgeworfen:
Prioritätensetzung für die Botanischen Gärten – Welche Arten sind in Ex‐situ‐Kultur zu schützen?
Das Drei‐Stufen‐Konzept für Erhaltungskulturen: Wo besteht noch Forschungs‐ und Diskussionsbedarf?
Weitere Fragen ergeben sich aus den Vorträgen.
Ein Punkt der Diskussion ist das Engagement vieler  Akteure, die im Ex-Situ-Schutz aktiv sind; von Botanischen Gärten  bis zu Einzelpersonen wird die bisherige Ehrenamtlichkeit angemerkt. Die durch Deutschland von staatlicher Seite eingegangene Zielvereinbarung der GSPC ist verbindlich, die Anstrengungungen zum Erreichen des Ziels 8 (60 % der bedrohten Arten in Ex-Situ-Sammlungen, 10 % in Wiederansiedlung) sind jedoch noch nicht etabliert und gefestigt.
Herauszuheben ist die auf dem Bonner GSPC-Workshop beschlossene Gründung einer fachlichen Arbeitsgruppe zum Ex-Situ-Schutz, deren Koordination vorläufig Dr. Bodo Möseler (INRES, Universität Bonn) übernimmt.

Erhaltungskulturen in Bonn: Exkursion in die Botanischer Gärten und Diskussion
Annett Krämer, Gärtnermeisterin der Botanischen Gärten Bonn mit Fachgebiet Ex-Situ-Sammlung, stellt verschiedene Pflanzen vor, die in Erhaltungskultur in den Bonner Gärten sind. Herausgestellt werden dabei unter anderem die Enge Zusammenarbeit mit den Biostationen der Bundesstadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Keim- und Pflanzversuchen mit heimischen Erdorchideen. In reger Interaktion mit den Exkursionsteilnehmern werden praktische und fachlich-rechtliche Fragen der Erhaltungskultur besprochen.

AnhangGröße
Ex_Situ_Workshop_Programm.pdf227.95 KB
Ex-Situ_Teilnehmerliste.pdf51 KB
EX-SITU_01_Aktueller_Stand.pdf487.06 KB
EX-SITU_02_Rae_Ex-Situ_Great-Britain.pdf4.11 MB
EX-SITU_03_radkowitsch_Erhaltungskulturen_Karlsruhe.pdf4.17 MB
Ex-Situ_04_zehm_Galionsartenprojekt.pdf575.15 KB
EX-SITU_05_Herrmans_Regionales_Netzwerk_Brandenburg.pdf4.08 MB
EX-SITU_06_Loehne_v_d_Driesch_Zusammenfassung_GSPC-WS_Ex-situ.pdf1.56 MB